Japan ist für viele die Heimat der Videospiele. Zwei der größten Firmen für Konsolen, Nintendo und Sony, stammen aus dem Land der aufgehenden Sonne und haben sich mittlerweile weltweit etabliert. Dabei ist es besonders interessant zu schauen, wie Japans Videospielkultur rund um Videospiele eigentlich in Japan selbst aussieht. Wir als Europäer haben sicher unsere Vorstellungen davon, aber in der Realität nur wenige Berührungspunkte. Daher wollen wir heute einmal einen genaueren Blick auf Väter und Eltern in Japan werfen und wie diese Videospiele konsumieren. Dazu schauen wir uns auch noch ein paar coole Accessoires an, die es teilweise auch nur in Japan zu finden gibt.
Gaming-Kultur für japanische Väter: Zwischen Arbeit und Alltag

Japaner spielen genauso gerne wie wir, jedoch gibt es einige Unterschiede, die mit der dortigen Kultur zusammenhängen. Ein erstes Beispiel dafür sind die Endgeräte, auf denen gespielt wird. Japan ist eine Insel und trotz der Globalisierung immer noch vergleichsweise abgeschottet. Daher werden lieber Konsolen gespielt, die aus dem eigenen Land stammen, darunter Sony und Nintendo. PC-Gaming wird immer beliebter in Japan, ist aber längst nicht so stark vertreten wie in Europa oder den USA. Am schlechtesten schneidet die Xbox ab, die in Japan kaum gespielt wird. Diese Fakten sind die erste spannende Beobachtung der kulturellen Unterschiede Japans.
Das zeigt bereits einen direkten kulturellen Einfluss, der sich noch tiefgründiger erforschen lässt. Japans Arbeits- und Alltagsleben ist für viele Unterschiede verantwortlich und beeinflusst das Spielverhalten vieler Väter. Selbst wir sind vermutlich vertraut damit, dass Überstunden und lange Arbeitszeiten keine Seltenheit in Japan sind. Das schränkt für einige Väter die Möglichkeiten ein, Videospiele in ihrer Freizeit zu spielen. Es gibt jedoch viele Nuancen, die wir in diesem Artikel aufzeigen wollen. Zeit für das beliebte Hobby ist trotzdem vorhanden! In den folgenden Beispielen zeigen wir genauer, wie japanische Väter durch ihren Tagesablauf anders spielen als wir und Zocken in ihren Alltag einbauen.
1. Smartphone-Gaming und Handhelden sind deutlich größer

Einen der größten Unterschiede gibt es bei der Beliebtheit von Spielen für unterwegs. Japans System an Zügen, U-Bahnen und Bussen ist extrem gut vernetzt, weshalb viele Väter diese gegenüber einem Auto bevorzugen – vor allem in Großstädten. Und die Zeit von und zur Arbeit lässt sich perfekt mit mobilem Gaming überbrücken, besonders für tägliche Pendler. Darunter fallen sowohl klassische Handheld-Konsolen als auch Smartphones.
Handhelden sind immer noch sehr beliebt in Japan. Oft tragen Väter einen alten Nintendo DS oder 3DS mit sich herum. Und auch die PlayStation Portable und die PlayStation Vita erfreuen sich noch einer unheimlich großen Beliebtheit. Wie oben bereits erklärt, lässt sich das auf die Arbeitskultur zurückführen, wo einem oft nur die Zeit im Zug oder im Bus bleibt. Das macht diese portablen Konsolen unheimlich praktisch!
Für Smartphones gelten diese Aspekte ebenfalls, da man sie immer bei sich hat und daher auch unterwegs benutzen kann. Interessant ist aber aber auch, dass Smartphone-Gaming deutlich etablierter in Japans Videospielkultur ist als bei uns. In Europa und Amerika wurden Handyspiele lange Zeit als „schlechter“ angesehen, da die Qualität nicht mit PC- oder Konsolenspielen mithalten konnte. Hingegen gibt es in Japan viele qualitativ hochwertige Exklusivtitel, was den Umgang mit diesem Videospielmedium positiver gestaltet. Viele Spiele wurden beispielsweise erst viel später für unseren Markt übersetzt, einige sogar gar nicht. Japans Markt für sowohl exklusive Handheld- als auch Smartphone-Spiele ist daher viel größer.
2. Altmodische Arcades immer noch beliebt
Überraschend beliebt in Japan sind aber auch immer noch alte Arcade-Hallen, in denen man an Automaten spielen kann. Im Westen sind diese kaum noch vertreten und nicht wirklich in den Alltag integriert. Doch in Japan finden Sie solche Arcades in eigentlich jeder Großstadt! Und auch hier sind japanische Väter eine der größten Zielgruppen. Beispielsweise sind die Hallen besonders am Nachmittag oder Abend gut gefüllt, wenn Väter nach der Arbeit noch ein paar Runden spielen möchten.
3. Gacha-Mechanik als essenzieller Teil

Um die japanische Videospielkultur besser zu verstehen, sollten Sie auch mit Gacha vertraut sein. Das Wort leitet sich von dem Automaten namens “Gachapon” ab, bei dem man durch einen kleinen Geldbetrag eine zufällige Kapsel mit einem kleinen Preis gewinnt. Es gibt sie bereits seit den 1960ern in Japan, und sie sind auch heute noch weit verbreitet – besonders in Videospielen!
Virtuell greifen viele Spieleentwickler gerne auf dieses Prinzip zurück, damit Spieler eine zufällige Belohnung erhalten. Dadurch können beispielsweise neue Charaktere, Outfits oder Spielkarten freischaltet werden. Mobile Games sind auch bei uns bekannt für diese Mechanik. In Japan sind sie dank des kulturellen Einflusses und der Nostalgie für Gachapon-Automaten jedoch deutlich beliebter. Oft können diese Preise auch gegen Echtgeld gekauft werden, was einen Großteil der Einnahmen dieser Spiele ausmacht. Und japanische Erwachsene sind dabei oft Zielgruppe Nummer Eins, da sie das meiste Geld dafür ausgeben.
Hierzulande kann man Gacha mit Lootboxen gleichsetzen, die dasselbe Prinzip verwenden. Der Unterschied liegt jedoch in der Wahrnehmung, denn Japaner sehen solche Mechaniken viel positiver als wir. Für sie ist es spaßig, den Zufall entscheiden zu lassen. Und es wird weniger als Glücksspiel angesehen als bei uns.
Viele Gacha-Spiele sind außerdem kostenlos und versprechen einen einfachen und schnellen Einstieg ins Spielgeschehen. Sie sind rundenbasiert oder lassen sich zwischendurch pausieren, was wiederum gut mit unserem bereits genannten Punkt des Pendelns von Familienvätern zusammenpasst. Im Vergleich zu langen und komplizierten Konsolentiteln hat man mit Gacha-Spielen ein schnelles Erfolgserlebnis, was für viele Väter besser zum stressigen Arbeitsalltag passt. Kurzfristige und zufällige Belohnungen halten Spieler mehr bei Laune, genauso wie ständige kostenlose Updates der Gacha-Apps. Daran erkennen Sie also, warum Gacha ein so spannendes Prinzip in Japans Videospielkultur ist!
4. Beliebteste Gaming-Genres bei japanischen Vätern
Zuletzt ist es auch noch spannend, einen Blick auf die beliebtesten Genres bei Vätern in Japan zu werfen. Dabei lassen sich natürlich direkt Übereinstimmungen mit den eben genannten kulturellen Hintergründen finden! Einige Beispiele geben wir Ihnen natürlich, die meisten Spiele kommen Ihnen sicher auch bekannt vor.
Top 5 der beliebtesten Genres:
- J-RPGs (Pokémon, Dragon Quest, Final Fantasy, Monster Strike, Honkai: Star Rail) & Western RPGs (Elden Ring, The Witcher 3, Skyrim)
- Beat ‚em up (Street Fighter, Mortal Kombat, Dynasty Warriors)
- Idol- & Rhythmus-Spiele (Idolmaster, Love Live!, Project Sekai, Ensemble Stars)
- Puzzle Games (Puzzles & Dragons. Tetris, Balatro)
- Visual Novels (Danganronpa, Persona, Ace Attorny)
Gaming-Gadgets aus Japan: Das gibt es hier nicht!
Einige der einzigartigen Dinge aus Japans Gaming-Kultur haben wir schon besprochen, aber das lässt sich auch auf Gadgets und Accessoires erweitern. Japan hat viele Dinge, die es bei uns schlichtweg nicht zu finden gibt! Das kann an einer sprachlichen oder kulturellen Barriere liegen. Genau wie Mobile Gaming und Arcades hierzulande weniger beliebt sind, sind es auch die folgenden Dinge. Einige davon sind vielleicht etwas seltsam, während andere wiederum extrem praktisch sind. Natürlich liefern wir Ihnen auch den kulturellen Hintergrund, um die Accessoires besser zu verstehen.
1. Dragon Quest Slime Controller

Im vorherigen Abschnitt haben wir J-RPGs als das beliebteste Genre in Japan beschrieben. Und dafür muss natürlich auch der passende Controller her! Exklusiv für Japan ist daher der Slime Controller der Spielreihe “Dragon Quest”, der für die Nintendo Switch erschienen ist. Andere Modelle gibt es auch für die PlayStation 2 und 4 zu finden, die alle von Hori in Kollaboration mit Square Enix hergestellt wurden.
Geformt ist das Gamepad wie der blaue Schleim aus dem Spiel, mit Knöpfen an der flachen Unterseite. Der Controller ist also rund und sehr dick. Es sieht auf jeden Fall extrem lustig aus, ist aber laut Benutzern überraschend komfortabel! Für alle Dragon Quest Fans ist das eine tolle Ergänzung zur eigenen Sammlung.
2. Sony PocketStation

Gehen wir nun zu einem Japan-exklusiven Add-on für die originale PlayStation über. Sie haben bisher vermutlich noch nie von der PocketStation gehört, einem kleinen Gerät, welches sich mit einigen PS1-Titeln verbinden konnte und dadurch exklusive Features freigeschaltet hat. Gleichzeitig fungierte die PocketStation auch als Speicherkarte, die damals noch notwendig waren.
Die meisten Spiele haben das Gadget als eine Art Tamagochi genutzt, beispielsweise für den gelben Vogel “Chocobo” aus Final Fantasy VIII. Insgesamt sind es rund 80 Titel, die damit kompatibel sind. Lustigerweise funktioniert die PocketStation auch für die PS3 und in digitaler Form für die PS Vita. Das kleine Gerät war sehr beliebt in Japan, und Sie werden es sicher auch heute noch auf dem dortigen Gebrauchtmarkt finden. Es wurde nie in Europa und Amerika veröffentlicht, da der japanische Markt eine zu hohe Nachfrage hatte.
3. Taiko Drum Controller

Die Wichtigkeit von Arcades haben wir ebenfalls besprochen, und die passenden Gadgets gibt es auch hier! Taiko-Trommeln sind mit die beliebtesten Automaten in einer Arcade-Halle, mittlerweile gibt es das Spiel aber auch für gängige Konsolen. Doch einfach nur mit dem normalen Gamepad zu spielen, ist langweilig. Was man braucht, sind echte Trommeln!
Auch hier ist der Hersteller Hori wieder die beste Anlaufstelle, denn diese haben einen offiziellen Controller für das Spiel “Taiko no Tatsujin” in Japan herausgebracht. Es gibt aber auch deutlich teurere Modelle wie die Taikoforce Lvl5 Trommel, welche näher am Arcade-Automaten und einer echten Trommel sind. Wenn Sie gerne Rhythmusspiele spielen, sind solche Trommeln ein wunderbares Gadget!
4. Nintendo Game Boy Pocket Sonar

Schauen wir uns nun wieder ein eher seltsames Gadget an, das aber wunderbar zu Japans Kultur passt. Denn Angeln ist dort überraschend groß, vor allem bei Männern und Familienvätern. In Tokio gibt es außerdem einen der größten Fischmärkte der Welt. Und auch kulinarisch gesehen ist Japan sehr vielfältig, wenn es um Meerestiere geht. Daher ist es vermutlich nicht überraschend, dass ein solches Gadget für den japanischen Markt entwickelt wurde.
Bandai (in Partnerschaft mit Nintendo) hat daher im Jahre 1998 ein Sonargerät für den Game-Boy herausgebracht, um Fische unter Wasser erkennen zu können. Dagegen ist die Game-Boy-Kamera noch harmlos! Das “Spiel” hat zusätzlich ein Nachschlagewerk für Fische und ein Minispiel, ist aber nur auf Japanisch verfügbar.
5. Gaming Chopsticks

Sie kennen es sicher auch? Zu einem gemütlichen Gaming-Abend nach Feierabend gehören auch die richtigen Snacks. Doch man möchte sich mit Chips oder Schokolade auch nicht die Finger dreckig machen und dann einen Controller benutzen. Keine Sorge, auch hier hat Japan die richtige Antwort: Essstäbchen fürs Zocken!
Tragen Sie dieses Accessoire zwischen Ihrem Zeige- und Ringfinger und schnappen Sie sich neben dem Spielen Ihre Snacks, ohne sich die Hände schmutzig zu machen. In Japan gibt es auch eine Variante vom Hersteller B’full, bei der man seine eigenen Essstäbchen nutzen kann. Es mag zwar etwas seltsam aussehen, ist aber durchaus sehr praktisch und deutlich hygienischer für Ihre Gamepads und Konsolen. Wenn Sie nach ähnlichen Accessoires suchen, dann ist auch dieser Artikel über das Snacking beim Gaming lesenswert!
Fazit
Japans Videospielkultur hat einige interessante Unterschiede zu uns westlichen Spielern, die wir aber nur selten zu Gesicht bekommen. Vieles lässt sich auf die japanische Arbeitskultur und den Umgang mit verschiedenen Hobbys wie Arcades, Fischen oder Musik zurückführen. Das bestimmt nicht nur die beliebtesten Geräte und Genres, sondern kann auch zu interessanten Gadgets führen. Für uns wirken diese vielleicht komisch, finden ihre Daseinsberechtigung aber tief in den Wurzeln der japanischen Kultur. Wenn Sie also einmal nach Japan reisen sollten, halten Sie nach einigen dieser lustigen Accessoires Ausschau! Und wenn Sie andere finden, dann teilen Sie uns diese gerne mit.


